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„Fragen der Menschen“ zum Thema „Tiere“

Fragen an Beatrice van Saan-Klein, Umweltbeauftragte des Bistums Fulda

Der Mensch und seine Mitgeschöpfe. Kommt die Sprache auf Haustiere wie Hunde oder Katzen, reden manche Menschen wie von einem guten Freund. Ist das aus christlicher Sicht verständlich, übertrieben, oder vielleicht sogar Pflicht? Fragen zum Thema Tiere beantwortet Dr. Beatrice van Saan-Klein, Biologin und Umweltbeauftragte des Bistums Fulda.

 

 

Es gibt Menschen, die gegen Kükenschreddern und für Abtreibung sind: Stimmt da was nicht in der Gewichtung?

van Saan-Klein: Papst Franziskus schreibt in seiner Enzyklika Laudato si´ (LS) „Wenn wir auf der Aussage bestehen, dass der Mensch ein Abbild Gottes ist, dürfte uns das nicht vergessen lassen, dass jedes Geschöpf eine Funktion besitzt und keines überflüssig ist“ (LS84). „Das bedeutet nicht, alle Lebewesen gleichzustellen und dem Menschen jenen besonderen Wert zu nehmen, der zugleich eine unermessliche Verantwortung mit sich bringt“ (LS90). Selbstverständlich ist zuerst die Würde jeden menschlichen Lebens vom Moment seiner Zeugung an unantastbar und Abtreibung mit dem christlichen Menschenbild daher nicht vereinbar. Aber auch Küken sind Geschöpfe Gottes und somit nicht überflüssig.


Bei vielen Menschen spielen Tiere eine Art Lückenbüßer für menschliche Kontakte. Ist das verständlich?

Die Gesellschaft von Tieren ist anregend und kann sehr viel Freude machen. Das gilt ganz besonders für einsame Menschen und ist sicher besserer als immer nur Fernsehen. Aber schon in der Schöpfungsgeschichte heißt es, dass Gott sprach: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.“ (Genesis 2,18). In Afrika gibt es das Sprichwort „Ich bin, weil Du bist“. Das drückt sehr schön aus, dass wir Menschen aufeinander angewiesen sind.  


Immer wieder treffe ich auf Menschen, die mit ihren vierbeinigen Freunden wie mit einem Kleinkind reden. Welche Erklärungsmuster haben Sie?

Kindliche Proportionen in den Gesichtszügen von Menschen und Tieren (Kindchenschema) wirken als Schlüsselreiz und lösen das Brutpflegeverhalten und eine besondere emotionale Bindung aus. Auch wenn das Haustier ausgewachsen ist, kann der menschliche Fürsorgetrieb Motivation für dieses Verhalten sein.


Besitzen Tiere eigene Rechte?

In unserem Grundgesetz heißt es seit dem Jahr 2002 in Artikel 20a GG „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung“. Außerdem gibt es das Tierschutzgesetz, dessen Zweck es ist, „aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ (TierSchG § 1)


Hat der Mensch moralische Pflichten im Umgang mit seinen Mitgeschöpfen?

 

Jesus nennt als zweitwichtigstes Gebot nach der Gottesliebe die Nächstenliebe und unser Nächster ist schließlich auch ein Mitgeschöpf. Aber schon im Alten Testament heißt es: Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte“. (Gen 2,15) Dieses Behüten gilt auch für alle Geschöpfe im Garten und wird für die Tiere noch einmal darin besonders hervorgehoben, dass Gott „sie dem Menschen zu[führt], um zu sehen, wie er sie benennen würde“ (Gen 2,19-20). Einem Mitgeschöpf, dem ich einen Namen gebe, bin ich moralisch besonders verpflichtet. „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“ (Antoine de Saint-Exupery).


Mitgeschöpfe isst man nicht! Deshalb müssen alle Christen zu Vegetariern werden! Ihre Meinung zu dieser These?

Da Jesus selbst unser Vorbild ist, müssen Christen keine Vegetarier sein. Jesus aß mit seinen Freunden das Paschalamm (Luk 22, 7-16) und als Auferstandener aß es vor ihren Augen ein Stück gebratenen Fisch (Luk 24, 42-43). Allerdings sind wir als Christen besonders gehalten, falls wir Fleisch essen, dafür Sorge zu tragen, dass dem Tier zuvor keine unnötigen Leiden zugefügt wurden. Die Herkunft des Fleisches ist entscheidend. Ich empfehle auch aus Gründen des Klimaschutzes, den Fleischkonsum drastisch zu reduzieren und nur qualitativ hochwertiges Fleisch mit gesichertem Herkunftsnachweis aus artgerechter Haltung oder regional verfügbares Wild zu verzehren.


Würden Sie bei Erkrankung eines Haustiers viele Hundert Euro für einen Tierarzt ausgeben?

Hier würde ich im Einzelfall abwägen wie hoch die Heilungschancen und die anschließende Lebensqualität für das Tier sind. Auch für  einen vierbeinigen treuen Freund mag man schon mal tiefer in die Tasche greifen, wenn es die Gesamtsituation zulässt und rechtfertigt.


Haben Tiere eine Seele? Was sagt die katholische Theologie beziehungsweise die Bibel dazu?

Als Tierfreundin lautet meine spontane persönliche Antwort „Ja“. Allerdings kann der vielschichtige Begriff der Seele in der hier gebotenen Kürze nicht theologisch tiefschürfend differenziert werden. Eindeutig heißt es aber in der Bibel „Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21) und Papst Franziskus schreibt, „dass sämtliche Geschöpfe des Universums, da sie von ein und demselben Vater erschaffen wurden, durch unsichtbare Bande verbunden sind und wir alle miteinander eine Art universale Familie bilden“ (LS 89).
 

Wie kann ich für Tiere beten?

Am Ende der Enzyklika Laudato si´ gibt es ein christliches Gebet mit der Schöpfung. Darin heißt: „Wir preisen dich, Vater, mit allen Geschöpfen, die aus Deiner machtvollen Hand hervorgegangen sind. ….

Erwecke unseren Lobpreis und Dank für jedes Wesen, das Du erschaffen hast. Schenke uns die Gnade, uns innig vereint zu fühlen mit allem was ist.

Gott der Liebe, zeige uns unseren Platz in dieser Welt als Werkzeug Deiner Liebe zu allen Wesen dieser Erde, denn keines von ihnen wird von Dir vergessen.

 

Interview: Anja Weiffen

Zuerst hier erschienen: http://www.kirchenzeitung.de/content/fragen-der-menschen-thema-tiere

 

(c) www.kirchenzeitung.de Print-Ausgabe vom 23. Juli 2017