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Pfr.in Charlotte von Winterfeld, Frankfurt (c) www.rundfunk-evangelisch.de
Pfr.in Charlotte von Winterfeld, Frankfurt (c) www.rundfunk-evangelisch.de

Pilgern mal anders

Zum Tag der Schöpfung in der Grube Messel bei Darmstadt

 

Pilgern ist in. Spätestens seitdem Harpe Kerkeling es ausprobiert hat. Normalerweise sind die Ziele solcher Pilgerreisen Kirchen oder Wirkungsstätten oder Grabstätten großer Heiliger. Der Jakobsweg führt zum Beispiel nach Santiago de Compostela in Spanien, wo angeblich der Apostel Jakob sein Grab gefunden hat.

 

Heute allerdings sind hessische Christen zu einem untypischen Ort für eine Pilgerreise unterwegs: Sie pilgern in die Grube Messel. Hier hat man zum Beispiel das Urpferdchen als Fossil gefunden. Nicht größer als ein Foxterrier. Und Ida, den ältesten Vorfahren eines Menschen, mit allen Körperumrissen. Im Ölschiefer ungewöhnlich gut erhalten. Vor 50 Millionen Jahren gab es hier nach der Explosion eines Kraters ein großes Becken mit Wasser, 2000 m tief. Deshalb ist die Grube Messel eines der wichtigsten Dokumente für die Entstehung der Wirbeltiere und auch UNESCO-Welterbestätte.

 

Vom Heimatmuseum in Messel bis zur Grube führt ein Weg von dreieinhalb Kilometern. Am Wegrand sind 22 Steinsäulen aus Granit aufgestellt. Auf jeder Säule ist eine Jahreszahl zu lesen. Es ist ein Zeitstrahl-Weg, der fünfhundert Millionen Jahren Erdgeschichte entspricht. Der Weg durch diese lange Zeit wird entweder durch weiße Fußstapfen markiert oder – auf den Waldwegen – durch rötlichbraunen Messeler Ölschiefer.

 

Genau heute pilgern die vielen Christen aus Hessen in der Grube Messel die Erdgeschichte entlang, weil heute der ökumenische Tag der Schöpfung ist. An jeder Granitsäule mit den Jahreszahlen machen sie Halt. Sie loben Gott für das Wunderwerk der Erde und denken darüber nach, wie man die Erde auch in Zukunft ohne Schäden erhalten kann.

 

Für mich ist die Grube Messel ein guter Ort, um Gott zu erfahren oder Gott nah zu sein. Dort kann ich zwei Gedanken zusammenbringen: Ich kann staunen darüber, wie kompliziert und langwierig der Werdegang der Erde bis heute ist und wie sich aus Einzellern Mehrzeller und Tiere und schließlich Menschen entwickelt haben. Und gleichzeitig kann ich denken: HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter (Psalm 104,24). Naturwissenschaft und Glaube sind für mich kein Widerspruch. Pfarrer Albrecht Burkholz aus Messel, einer der Initiatoren des neuen Pilgerweges, sagt dazu: „Schöpfung oder Evolution? Das sind falsche Alternativen. Schöpfung durch Evolution!“

 

Der Glaube an Gott als den Schöpfer der Welt heißt für mich nicht: Gott hat die Erde in genau sieben Tagen gemacht. Sondern: Gott ist dabei in dem ganzen Prozess der Entstehung der Erde. Und: Die Erde gehört nicht mir. Sie ist ein Geschenk Gottes. Ich trage Verantwortung für sie.

 

(c)  Pfarrerin Charlotte von Winterfeld, Frankfurt

hr 2 kultur Zuspruch 7.9.2012, 6.30 Uhr

 

Weitere Informationen: www.rundfunk-evangelisch.de