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Pfr. Harald Seredzun / (c) www.kirche-hr.de
Pfr. Harald Seredzun / (c) www.kirche-hr.de

Tag der Schöpfung

 

Am vergangenen Freitag wurde in Messel der „Tag der Schöpfung“ gefeiert. Beim Besucherzentrum der Fossilienfundstätte Grube Messel fand ein ökumenischer Gottesdienst statt. Und es gab ein großes Programm mit Führungen und Musik, und die Kinder durften sich spielerisch als Ausgräber betätigen. „Jetzt wächst Neues“ hieß das Motto des Tages. Eine Fossilienfundstätte öffnet zwar das Fenster in die Vergangenheit. Aber der Blick durch dieses Fenster zeigt auch: Schon immer entstand Neues. Es geht immer weiter. Die Entwicklung des Lebens ist immer im Gang. Und die Bewahrung der Schöpfung und des Lebens gehört zu den großen Aufgaben in Gegenwart und Zukunft.

 

Eine Gruppe von Teilnehmern des Tages der Schöpfung ging einen kleinen Pilgerweg zum Veranstaltungsort. Es gibt einen Weg, der vom Ort Messel zur Fossilienfundstätte führt und an dem 22 Stelen stehen. Es ist ein so genannter Zeitstrahl-Weg. Die 22 Stelen stellen die Evolution des Lebens auf unserer Erde dar. Die evangelische und katholische Kirchengemeinde haben eine Broschüre herausgebracht, die in humoriger, heiterer Weise diesen Weg begleitet.

 

In dieser Broschüre heißt es zu Beginn: „Bibel und Wissenschaft – das sind keine Gegensätze. Die Wissenschaft erforscht das Weltall und die kosmische Evolution von Anfang an. Die Bibel verkündet: Das All ist nicht alles. Das All ist Schöpfung und Gott ist sein Schöpfer. Die Wissenschaft...versucht, ...die Evolution des Lebens auf der Erde zu beschreiben. Die Bibel beschreibt dies nicht. Sie spricht in der ihr eigenen bildhaften Sprache von Ursprung, Ziel und Sinn des Daseins.“

 

Und wenn die entsprechende Stele des Zeitstrahl-Weges das Zeitalter der Amphibien markiert, heißt es dazu in der Begleitbroschüre ein wenig augenzwinkernd: „Gott weiß, dass die Menschen eines Tages Amphibien nachahmen, wenn sie Amphibienfahrzeuge bauen.“ Und daran anschließend: „Die Natur liefert Ideen. Die Natur liefert Material. Der Mensch schafft nichts aus dem Nichts. Der Mensch schafft nur aus dem, was da ist. ... Der Mensch kann etwas schaffen, aber nichts erschaffen...Der Mensch ist nicht Schöpfer, der Mensch ist Geschöpf, auch wenn er schöpferisch tätig ist.“

 

Und später heißt es: „Gott lacht das Herz, als die Erde voller Leben ist: Ein Gewimmel im Meer, ein Getümmel auf dem Land, ein Schwirren in der Luft. Und Gott denkt: Wenn ich nicht Gott wäre, würde ich staunen, wie schön die Fülle des Lebens auf der Erde ist.“ Und daran anschließend: „Gott liebt das Leben. Lebensfreude ehrt ihn. Lebensfreude ist wie ein Lobgesang. Wer das Leben von Herzen liebt, den schließt Gott in sein Herz.“

 

Die Schöpfung war und ist immer im Werden. Es gehört zu den vornehmen Aufgaben des Menschen, dieses ständige Werden mitzugestalten. Die Bewahrung der Schöpfung und die Liebe zum Leben ist eine wunderbare Weise, dem Schöpfer zu danken.

 

(c)  Harald Seredzun, Pfarrer von Darmstadt-Kranichstein und Messel (kath.)

Zuspruch am Morgen hr2-kultur, Montag, 10.9.2012