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Vorgeschichte zur Schöpfungszeit und aktuelle Situation 

„Der ökumenische Thron der orthodoxen Kirche nimmt mit Bestürzung zur Kenntnis, wie rücksichtslos und unbarmherzig heute die natürliche Umwelt durch Menschenhände zerstört wird und welch höchst gefährliche Folgen dies für das Überleben der von Gott geschaffenen Welt hat.“ Mit diesen Worten erklärte 1989 der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Dimitrios I., den 1. September zum „Tag der Bewahrung der natürlichen Umwelt“ und rief zum Gebet für die Schöpfung auf. Über die 2. Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz, die „Charta Oecumenica“ (Leitlinie 9) der Kirchen von 2001, eine Empfehlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) von 2002 entwickelte sich dieser Gedanke weiter. In der Schlussbotschaft der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung von Sibiu im September 2007 heißt es dann sehr konkret in der Empfehlung Nr. 10: „Wir empfehlen, dass der Zeitraum zwischen dem 1. September und 4. Oktober dem Gebet für den Schutz der Schöpfung und der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils gewidmet wird, um den Klimawandel aufzuhalten.“


Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) hat im Anschluss daran in ihrer „Brühler Empfehlung“ vom 27. Oktober 2008 das theologische Grundverständnis des Tags der Schöpfung ökumenisch dargestellt und zu einer gemeinsamen Feier ermutigt. Die Fachtagung der ACK am 7./8. September 2009 in Mainz formulierte in den „Mainzer Perspektiven“, wie ein gemeinsamer Tag der Schöpfung in Gottesdienst und Praxis der Kirchen umgesetzt werden kann. Dieser Beratungsprozess wurde von der Mitgliederversammlung der ACK in Deutschland am 22. Oktober 2009 in Augsburg abgeschlossen. In diesem Dokument wird u.a. der erste Freitag im September eines jeden Jahres als Termin für die Feier eines ökumenischen Tags der Schöpfung auf Bundesebene festgelegt und die Proklamation der Einführung eines ökumenischen Tags der Schöpfung auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München angekündigt. Dies geschah beim zentralen Gottesdienst am 13.5.2010 durch den Bundesvorsitzenden der ACK Deutschland, Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber.

 

Die ACK Hessen-Rheinhessen strebt einen jährlich wiederkehrenden gemeinsamen „Tag der Schöpfung in Hessen“ an, der alternierend unter Federführung einer jeweils anderen ACK-Mitgliedskirche durchgeführt wird. In ihm soll es entsprechend der „Brühler Empfehlung“ der ACK um „Lobpreis des Schöpfers, Umkehr wegen des menschlichen Vergehens an der Schöpfung und das Einüben konkreter Schritte („Schule des Mit-Leidens“)“ gehen.           

Ein erster Tag der Schöpfung für Hessen fand unter Federführung der EKKW und des Bistums Fulda in Kooperation mit der EKHN im September 2011 in Gelnhausen statt. In 2012 haben EKHN und Bistum Mainz die Federführung übernommen und es wird am 7. September 2012 an der Grube Messel bei Darmstadt ein zentraler „Tag der Schöpfung“ für Hessen stattfinden, der unter dem bundesweiten Motto „Jetzt wächst Neues“ (Jes 43,19) stehen wird (www.schoepfungstag-hessen.de). 

      

Charakter der Schöpfungszeit / des Schöpfungstages      

Im Angesicht der ökologischen Krise wird mit der Schöpfungszeit und dem Tag der Schöpfung dem Bekenntnis zu Gott als Schöpfer ein klarer liturgischer Ausdruck verliehen. Lob und Dank werden gekoppelt mit dem Eingeständnis unserer Schuld und unseres Versagens, unsere Kultur so zu gestalten, dass sie zugleich auch den Bedürfnissen der Natur gerecht wird. Lokale und globale Klima- und Umweltgerechtigkeit geraten wechselseitig in den Blick.

 

Ein ökumenischer Schöpfungstag kann so eine Art „rite de passage“ sein, der spirituell/geistlich durch die schwierige Übergangsphase von einem ökologisch zerstörerischem zu einem ökologisch nachhaltigen und somit zukunftsfähigen Lebensstil führt, wie er in wichtigen Transformationsprozessen durch die EKD angestoßen wird.

Der ökumenische Schöpfungstag knüpft damit auch an das Projekt „nachhaltig predigen“ an, bei dem die EKHN und das Bistum Mainz Mitherausgeber sind und dessen Ziel es ist, über die sonntägliche Predigt ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und die Bewahrung der Schöpfung zu schaffen – siehe www.nachhaltig-predigen.de.      

 

Bedeutung im Kirchenjahr 

Mit der Einführung einer Schöpfungszeit und eines Tages der Schöpfung wird dem Glauben an Gott den Schöpfer ein besonderer Ausdruck verliehen, „bevor“ dann die christologischen Feste in den Vordergrund treten. Die Struktur des Glaubensbekenntnisses spiegelt sich darin wider.

 

In ökumenischer Perspektive gewinnt das orthodoxe Kirchenjahr, das am 1. September beginnt, einen neuen Inhalt: Es soll mit der Besinnung auf Gott den Schöpfer, die Schöpfung als Gabe Gottes und unsere Verantwortung vor Gott und gegenüber unseren Mitgeschöpfen beginnen.

 

Nach unserem christlichen Selbstverständnis beginnt das Kirchenjahr selbstverständlich weiter mit dem 1. Advent. Die Stellung einer Schöpfungszeit und die Feier eines Schöpfungstages relativ am Ende des Kirchenjahres zeigt in diesem Kontext, was theologisch ohnehin immer schon gegolten hat: Die Schöpfungsgeschichten der Bibel sind nicht als Ursprungsgeschichten zu lesen, die uns darüber Auskunft geben, wo wir herkommen, sondern sind gewissermaßen „in die Vergangenheit zurückdatierte“ Zukunftsgeschichten, die uns erzählen, worauf wir zugehen und was Gott mit seiner Schöpfung im Sinn hat.

 

Besondere Bedeutung von Erntedank       

 

Der Schöpfungstag will und kann das Erntedankfest nicht ersetzen. Dieses muss in seinem besonderen und lange gewachsenen Charakter bewahrt werden. Vielmehr ist bei der ökumenischen Ausrichtung und Gestaltung des Schöpfungstages in jedem Jahr die Bedeutung der Feier des Erntedankfestes mit zu bedenken, damit Synergien und keine Konkurrenzen hergestellt werden. Im Rahmen der Schöpfungszeit vom 1. September bis 4. Oktober eines jeden Jahres liegt der Schöpfungstag am ersten Freitag im September an deren Beginn, während das Erntedankfest gegen Ende der Schöpfungszeit gefeiert wird. Das lässt eine ausreichende inhaltliche und thematische Differenzierung zu, ohne auf eine Bezugnahme zu verzichten.           

H. Meisinger

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