Veranstalter


 „Ach schüttel mich,

 wir Äpfel sind alle miteinander reif“

  Bausteine für einen Erntedank-Familiengottesdienst

  rund um den Apfel

 

Zum Thema:  In unserer Region sind wir reich gesegnet mit Äp-feln aller Arten. Es ist lohnenswert, diesen heimischen, außeror-dentlich gesunden und schmackhaften Früchten einen Erntedank-gottesdienst für Klein und Groß zu widmen. Das Grimm`sche Märchen von Frau Holle erzählt von zwei ungleichen Schwes-tern. Die Pechmarie geht am vollbeladenen Apfelbaum vorbei und hält es nicht der Mühe wert, ihn abzuernten. Die Goldmarie hingegen lässt nicht einen Apfel hängen und wird für ihre Mühe reich belohnt. Es ist ein Jammer, dass an so vielen unserer Apfel-bäume jedes Jahr nur die Pechmarie vorbei kommt, die Äpfel ir-gendwann überreif abfallen und verrotten. Natürlich gibt es auch unter uns die Goldmariechen, die zum Beispiel eine Patenschaft für einen oder mehrere Apfelbäume ihrer Gemeinde übernehmen, die Äpfel pflücken und verwerten. Ein dankbares Bewusstsein für die Kostbarkeit des Apfels zu wecken und dafür zu werben, sich nicht nur im Supermarkt zu bedienen, sondern das Obst vom Baum zu holen, statt es dort verderben zu lassen, ist Ziel eines Gottesdienstes rund um den Apfel, der mit Hilfe der folgenden Bausteine gestaltet werden kann.

 

Bausteine:

1. Lieder  

Ein oder zwei Lieder können von Kindergarten- oder Kinder-gottesdienstkindern in der Erntezeit eingeübt und im Gottesdienst vorgetragen werden. Sie lassen sich aber auch alle leicht im Gottesdienst selbst einüben und mit allen gemeinsam singen.

In meinem kleinen Apfel

Apfelbaum, Apfelbaum blüht in meinem Garten

Ich hol mir eine Leiter und stell sie an den Apfelbaum

Wer diese Lieder nicht in einem Kinder- oder Volksliederbuch findet, kann gern eine Kopie davon in unserer Arbeitsstelle be-kommen.

Wir pflügen und wir streuen, besonders Strophe 3 (EG 508)

Ich singe dir mit Herz und Mund, besonders Strophe 5 (EG 324)

Du gibst die Saat und auch die Ernte (EG 649)

Der Tag ist seiner Höhe nah, besonders Strophe 6 (EG 457)

 

Psalm 104 in neuer Übertragung

Psalm 104

Gott, du leuchtest uns wie die Sonne,

du umgibst uns wie frische Luft.   

            Die Erde hältst du über den Abgründen,

            dein Himmel geht auf über uns allen.

Klares Wasser lässt du quellen

und machst fruchtbar unsere Mutter Erde.

Du lässt die Tiere des Feldes trinken

und das Wild kann seinen Durst stillen.

Vom Morgen bis in die Nacht

und von der Nacht bis in den Morgen

leben wir von deiner Güte.

Kinder werden uns geboren

und spielen in Frieden;

sie wachsen heran, blühen auf

und lernen sich lieben.

So, wie die Fische im Wasser schwimmen

und die Vögel segeln im Wind,

so, wie die Bäume im Erdreich wurzeln

und die Tiere Schutz finden im Unterholz,

so sind und bleiben wir aufgehoben in dir.

Wir wollen Gott singen unser Leben lang und

wollen Gott lieben, solange wir sind.        

Ps. 104, 11.24.27-28,30.33

(von Armbrüster)

 

Schöpfungslieder. Das Antlitz der Erde zum Guten verwandeln.

Hg. Von der Forumsleitung der Halle der Schöpfung, DEKT Leipzig 97, S. 38

 

 

Dankgebet mit Dialog

Pfarrer/in: Heute am Erntedankfest bringen wir unsere Ernte-gaben zum Altar und danken Gott dafür. Gemeinsam lasst uns zwischendurch immer wieder beten:

Alle guten Gaben, alles was wir haben

kommt, oh Gott, von dir, Dank sei dir dafür.

Kinder bringen ihre Erntegaben zum Altar, danken der Reihe nach dafür, legen sie ab und bleiben vorn stehen. Immer wenn drei Kinder damit fertig sind, spricht die Gemeinde wieder den Gebetsruf.

Kind 1:Ich danke für die Möhren (Möhren werden abgelegt).

Kind 2:Ich danke für die Kirschen (Kirschen werden abgelegt).

Kind 3:Ich danke für den Rettich (Rettich wird abgelegt).

Pfarrerin fordert Gemeinde auf: Lasst uns rufen: Alle guten Gaben...

Kind 4: ..........

Zuletzt erscheint ein/e Konfirmand/in oder ein/e Mitarbeiter/in mit einer Schubkarre/einem großen Weidenkorb voller Äpfel. Sie oder er trägt „Gärtner-Look“: z.B. Latzhose, Gummistiefel und Kappe oder Kopftuch, Gartenhandschuhe, dazu einen Apfel-pflücksack um den Brustkorb. Die Kinder unterhalten sich mit ihm/ihr.

Dialog: 

Kind 1:Boah, was bringst du denn da?

MA: Das seht ihr doch! Einen Korb/eine Karre voller Äpfel.

Kind 2:Warum bringst du denn so viele mit? Wir sollten jeder nur eine Frucht oder ein Gemüse mitbringen.

Kind 3:Sonst reicht doch der Platz auf dem Altar gar nicht!

MA: Ja, das stimmt. Dann lege ich halt nur einen oder zwei Äpfel hier vorne ab. Danke, lieber Gott, für die Äpfel! (Äpfel werden abgelegt).

Kind 4:Und die anderen Äpfel nimmst du wieder mit nach Hause? Willst du die alle essen?

MA: Das schaff ich doch gar nicht allein! Am besten lass ich die hier, und ihr verteilt sie mit mir an alle Leute in der Kirche.

Kind 5:Schmecken die denn? Manche sehen ein bisschen fleckig aus und gar nicht so glatt wie die von uns zu Hause.

MA: Woher habt ihr denn eure Äpfel?

Kind 5:Aus dem Supermarkt natürlich. Du denn nicht?

MA: Nein, natürlich nicht! Es gibt doch jetzt im Herbst soooo viele Äpfel an unseren Apfelbäumen! Die sind viel gesünder und leckerer als die gekauften. Weil sie nicht mit Chemikalien gespritzt sind.

Kind 1:Warum spritzt man die denn?

MA: Weil sie dann länger haltbar sind und so toll glatt aussehen und ganz ohne Flecken.

Kind 2:Aber wir haben gar keinen Apfelbaum im Garten! Wir müssen die Äpfel kaufen!

MA: Ich hab auch keinen Apfelbaum im Garten. Aber ich bin Patentante für einen Apfelbaum, der am Feldrand steht. Dort, wo ich immer mit meinem Hund spazieren gehe.

Kind 3: Du bist Patentante für einen Baum? Das geht doch gar nicht!

MA: Doch, der Baum gehört der Stadt. Und die ist froh, wenn Leute Paten werden für die vielen Apfelbäume, die es gibt, damit die Äpfel auch gepflückt werden und nicht irgendwann abfallen, weil sie so reif sind. Und dann landen sie auf der Erde und vergammeln.

Kind 4: Das ist dann so wie bei der Pechmarie. Die geht auch einfach am Apfelbaum vorbei und küm-mert sich nicht um die reifen Äpfel. Und das ist schlecht, weil sie später zur Strafe mit Pech über-schüttet wird.

Kind 5:Wer ist das denn, die Pechmarie? Hast du dir das ausgedacht?

Kind 4:Nein! Kennst du denn nicht Frau Holle?

MA: Das ist früher mein Lieblings-märchen gewesen von den Brüdern Grimm! Wer von euch hier in der Kir-che kennt Frau Holle? Und wer nicht? Es wäre doch schön, wenn wir uns das Märchen jetzt mal anhören, weil darin die Äpfel auch vorkommen, ja?

 

Ein/e Erzähler/in liest das Märchen von Frau Holle vor, dazu werden großformatige Bilder hochgehalten oder der Reihe nach auf eine Wäscheklammer gehängt. Die Bilder können im KiGo oder im Kindergarten vorher bunt ausgemalt worden sein. Die Kinder sitzen in der Kirche nun so, dass sie gut sehen und hören können. Die Bilder in diesem Heft können Sie ganz leicht auf großen Zeichenblättern nachmalen oder sie evtl. vergrößert  kopieren.

Das Märchen von Frau Holle finden Sie in fast allen Märchen-buchausgaben der Brüder Grimm. Wem eine Textvorlage fehlt, kann sich an unsere Arbeitsstelle wenden und eine Kopie davon anfordern.

 

 

 

 

Pechmarie und Goldmarie

 


 


 

 

 

                                          Frau Holle


 

Fortsetzung des Dialoges:

Kind 1:Das war schön. Aber die Pechmarie tut mir auch leid. Weil das Pech nicht mehr abgeht.

Kind 2:Sie hat es aber verdient! Warum geht sie auch einfach am Brot und an den Äpfeln vorbei?

Kind 3:Naja, wir werden aber auch nicht mit Pech überschüttet, wenn wir an den Apfelbäumen vorbei gehen und die Äpfel lieber einkaufen.

MA: Aber ich finde, Pech haben wir dann auch!

Kind 4: Wie denn das?

MA: Wir haben Pech, weil wir nicht in den Genuss kommen, die-se herrlichen selbst gepflückten Früchte zu essen!

Kind 5:Aber wir sind nur 3 Leute zu Hause, meine Eltern und ich! Wir können doch nicht einen ganzen Baum leer futtern! Da-rum kaufen wir immer nur so viele Äpfel, wie wir auch schaffen. 5 Stück in der Woche oder so.

MA: Ich esse meine Äpfel auch nicht alle auf einmal. Ich backe leckeren Apfelkuchen damit und koche mir Apfelgelee und liebe Apfelkompott mit Schlagsahne. Und ich mache Apfelringe auf der Schnur. Die trocknen daran und halten ganz lange und schme-cken klasse. (Er/Sie hält eine Kette mit Apfelringen hoch). Viele Leute bringen ihre Äpfel auch in die Mosterei und kriegen köst-lichen Apfelsaft dafür. Meine Äpfel kommen in den dunklen kalten Keller in eine Kiste, da halten sie auch ein paar Wochen.

Kind 1:Mir würde das auch Spaß machen, selber Äpfel zu ernten. Vielleicht können wir mit dem Kindergarten/mit dem Kindergottesdienst auch Pate werden für einen Apfelbaum? Das fände ich supertoll! Und dann machen wir ein Apfelprojekt und backen Kuchen und kochen Gelee und Kompott! Und machen uns Apfelringe-Ketten.

Kind 2:Aber ein paar Äpfel dürfen doch hängenbleiben, oder? Für die Tiere, die auch gern davon naschen: Die Vögel, die kom-men an die Äpfel auf dem Baum. Und wenn ein paar runterfallen, dann freuen sich die Würmer und die Wespen und die Mäuse und die Igel, oder?

MA: Gut, dass du daran denkst! So ein Baum hat meistens genug Äpfel für Mensch und Tier. Wenn der Gottesdienst gleich vorbei ist, können wir meine Äpfel verteilen und alle zusammen Apfel-ringe-Ketten machen. Wie wär`s?

Kinder:Oh ja!

 

Predigtgedanken

In Familiengottesdiensten kommen Erwachsene in ihren Bedürf-nissen oft zu kurz. Es empfiehlt sich, ihnen einige „Erwachsenen-Gedanken“ zum Thema mitzugeben. Diese  können nach dem Apfel-Gespräch der Kinder und einem Lied folgen. Sollten Sie der Meinung sein, dass die Kinder mit Zuhören überfordert sein, kön-nen Sie an dieser Stelle dazu einladen, eins der Frau Holle-Bilder auszumalen, das dann in ausreichender Anzahl kopiert vorliegen muss. Oder die Kinder malen ganz frei ein Apfelbild, entweder jede/r für sich oder alle gemeinsam auf einem großen Blatt eine Wiese mit Apfelbaum, Blumen, Bienen, Ernte-Leuten...

 

Mögliche Impulse für Erwachsene:

- Im biblischen Kontext fällt zuerst die Paradiesgeschichte ein. Die verbotene Frucht im Garten Eden ist der Apfel. Wirklich? Das ist Folge eines Missverständnisses bei der Übersetzung aus dem Vulgatatext: „malus“ heißt „böse“ (also hier: Baum der Er-kenntnis des Guten und Bösen), „malum“ heißt „Apfel“.

- Positive Assoziationen mit dem Apfel in der Bibel: Sprüche 25,1: „Ein Wort, geredet zur rechten Zeit, ist wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen“; Hohes Lied der Liebe: „Wie ein Apfel-baum unter den Bäumen, so ist mein Freund unter den Jünglin-gen. Unter seinem Schatten zu sitzen, begehre ich, und seine Frucht ist meinem Gaumen süß.“

- Schöpfungsauftrag des Menschen (1. Schöpfungsbericht): Gott erschafft die Welt  und gibt dem Menschen die Pflanzen mit ihren Früchten zur Nahrung. Als Stellvertreter Gottes auf Erden soll der Mensch die Schöpfung bewahren und schützen.

- Gottes Spuren in seiner Schöpfung, hier im Apfel  finden: Sehen und schmecken, wie gut er es mit uns meint. Sich selbst im Para-dies fühlen: Einfach die Hand ausstrecken, aus der Fülle pflü-cken, von der Hand in den Mund... genießen!

- Das eigene Leben symbolisch im Wachsen und Reifen eines Apfels wiederfinden:   Von Gott geschenkt, wunderbar gemacht, hat mein Leben ein Ziel. Am Ende soll es reif werden und Frucht tragen.

 

Lied

 

Es folgen noch Fürbittengebet, Vater unser , Segenslied und Segen

 

Anschließend sind alle eingeladen zum Apfel-Brunch oder Apfel-Kirchenkaffee in der Kirche oder im Gemeindehaus mit Apfelkuchen, Kompott und Sahne, Weißbrot und Apfel-gelee und Apfeltee/Apfelsaft.

Außerdem werden Apfelringe-Ketten zum Trocknen herge-stellt: Die Äpfel werden geschält und das Kerngehäuse entfernt. Die Äpfel werden in einen halben Zentimeter dicke Scheiben ge-schnitten und an einem Band aufgehängt. Nach einigen Tagen können die Apfelringe gegessen werden. Sehr lecker!

 

Spielvorschläge für den Apfel-Brunch/Apfel-Kirchenkaffee gegen Langeweile der Kinder:

1. Obst einsammeln

Bildet zwei Gruppen: Die einen sind die „Birnen“, die anderen die „Äpfel“. Nun wird ein Kind ausgewählt, dass der Obstbauer/ die Obstbäuerin ist. Er oder sie wird vor die Tür geschickt. Jetzt laufen alle durcheinander. Der Obstbauer oder die Bäuerin kommt wieder herein und muss nun Äpfel und Birnen sortieren. Der Spielleiter schreibt auf, wie viele Früchte richtig sortiert wa-ren. Nachdem alle als Obstbauern draußen waren, bekommt der/die Gewinner/in mit den meisten Punkten zur Belohnung Obst-Fruchtgummis.

2. Freche Früchtchen

Je drei Kinder können gleichzeitig spielen. Also entweder meh-rere Dreiergruppen bilden oder immer drei Kinder ca. 3 Minuten spielen lassen, dann die nächsten drei Kinder kommen lassen.  Benötigt werden drei Kartons und drei Sorten Obst und Gemüse, z.B. Äpfel, Birnen und Möhren. Füllt in jede Kiste von jeder Sorte je eine Frucht/ein Gemüse. Hinter jeder Kiste hockt nun ein Kind und hält eine Hand hinein. Die anderen sind weit genug weg, um nicht zu sehen, was die Spielpartner/innen mit ihrer

 

Hand machen. Eine/r von euch ist bei der 1. Runde der/die „Glücksspielerin“. Alle drei Kinder fassen nun ihre Früchte/ Gemüse der Reihe nach kurz an. Der/die Glücksspieler/in wartet einen Moment und ruft dann „Stop“. Alle drei Kinder ziehen sofort den Arm aus dem Karton und zeigen, was sie in der Hand haben. Wenn sie alle zufällig das gleiche Obst/Gemüse hoch hal-ten, gibt es einen Punkt für den/die Glücksspieler/in. In der 2. Runde ist das nächste Kind Glücksspieler/in, in der dritten das dritte Kind. Wer einen Punkt hat, bekommt ein paar Frucht-gummibärchen zur Belohnung.

 

Ich wünsche viel Freude bei der Umsetzung!

 

 

Pfarrerin Andrea Braner, Bilder von Marie Braner

 

 

 

 

Quelle: Kindergottesdienstbrief, Ausgabe 2/2009, S. 33-46

Herausgeber: Arbeitsstelle für Kindergottesdienst

der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck